Gentechnikfreiheit sichern - JETZT!

AbL-Tag der Landwirtschaft in Holzdorf stieß auf reges Interesse

Holzdorf, 28.1.2024 Bauern und Bäuerinnen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) Mitteldeutschland veranstalteten heute auf dem Landgut ihren traditionellen Tag der Landwirtschaft. Unter dem Motto „Gentechnikfreiheit sichern- Jetzt!“ luden sie zu Vorträgen über Züchtung und Klimawandel. Der in Thüringen für die Gentechnikregulierung zuständige Umweltminister Bernhard Stengele sprach ein Grußwort. Vertreter von Linken, SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP diskutierten mit den anwesenden Bäuerinnen und Bauern über ihre politischen Positionen zur Gentechnikregulierung sowie zur kommenden Wahl im Herbst 2024.

Anlass für die diesjährige Schwerpunktsetzung auf dem Tag der Landwirtschaft ist der Vorschlag der EU-Kommission die Verwendung von gentechnisch veränderten Sorten fast komplett zu deregulieren.

Reiko Wöllert, Milchbauer und Landesgeschäftsführer Thüringen der AbL Mitteldeutschland:

Nach den Plänen der EU-Kommission soll es künftig keine Kennzeichnungspflicht, keine Rückverfolgbarkeit und auch keine Haftungsregelungen für Gentechnik mehr geben. Es gäbe damit künftig auch keinerlei Wahlfreiheit für Konsumenten und Konsumentinnen mehr, sich gentechnikfrei zu ernähren. Da dafür aber die neuen „Züchtungen“ mit Sicherheit patentiert werden und sich wild auskreuzen, werden künftig alle Betriebe, egal ob konventionell oder bio von Schadensersatzklagen durch die Saatgutkonzerne bedroht sein. In den USA ist das schon lange eine existenzvernichtende Praxis“,

Reiko Wöllert weiter:

Die Versprechungen, mit denen die Genlobby lockt sind dieselben wie schon seit 40 Jahren. Keine davon wurde je eingelöst. Das wird auch bei der neuen Gentechnik nicht anders sein. Auf den Risiken aber bleiben die Bäuerinnen und Bauern sitzen. Das darf nicht sein.

Bernhard Stengele, der in Thüringen für Gentechnik zuständige Minister für Umwelt, Energie und Naturschutz sagte dazu:

"Der Eintrag gentechnisch veränderter Organismen sowohl in die gentechnikfreie Landwirtschaft, als auch in Naturschutzgebiete ließe sich mit dem Vorschlag der EU-Kommission nicht mehr verhindern. Die damit verbundenen Risiken lassen sich derzeit gar nicht abschätzen. Wir fühlen uns dem Koalitionsvertrag verpflichtet und werden uns auch weiterhin dafür einsetzen, dass Thüringen gentechnikfrei bleibt.“

In einer Podiumsdiskussion am Nachmittag sprachen sich alle anwesenden Vertreter der im Landtag vertretenen demokratischen Parteien für eine Ablehnung oder Überarbeitung des derzeitigen Kommissionsvorschlages zur Deregulierung der Gentechnik aus. Einig waren sich alle darin, dass nur eine Kennzeichnungspflicht für gentechnisch veränderte Lebensmittel auch weiterhin die Wahlfreiheit für Konsumentinnen und Konsumenten gewährleisten kann und deshalb zwingend erhalten werden muss. Im Anschluss stellten sie die agrarpolitischen Aspekte der Programme zur Landtagswahl vor, die mit den Anwesenden aus Berufsstand, Verwaltung und Politik lebhaft diskutiert wurden.

Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Zukunfstiftung Landwirtschaft, der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V. und dem Förderverein AbL Mitteldeutschland e.V. veranstaltet und durch Lottomittel des TMUEN gefördert.

28.01.2024